18.06.2017

Vom Erwachsensein und ein Brief an mein jüngeres Ich

Eine Weile musste ich überlegen ob ich diesen Post hier wirklich veröffentlichen möchte. Es ist doch irgendwie etwas sehr persönliches. Ich tue es jetzt einfach. Vielleicht kannst du diesem Beitrag ja auch etwas positives für dich entnehmen. Wenn ja, lass es mich wissen.







Dieser Teil meiner Gedankenwelt spann sich letztens zusammen, als ich an mein jüngeres Ich dachte. Das Ich, was sich auf der Schwelle vom Kind ins jugendliche Alter befand. An die Irrungen und Wirrungen die das Leben damals für mich bereit hielt. Ich war ein schüchternes, zurückhaltendes Kind. Ich taute nur bei engen Freunden auf. Von Erwachsenen hielt ich grundsätzlich Abstand, von der eigenen Familie mal abgesehen. Ich wollte nie erwachsen werden. Gut kann ich mich noch daran erinnern, wie ich einst sagte, dass ich nie erwachsen werden will. Als Jugendliche war ich vollkommen anders. Ich war eigensinnig, sturrköpfig, starrsinnig und wollte einfach leben. Erwachsen werden wollte ich trotzdem irgendwie nicht. Obwohl ich es rückblickend, schon längst war.

Der Tag kam irgendwann, wo ich registrierte wirklich erwachsen zu sein und irgendwann akzeptiert ich es. Ignorieren hilft da nicht viel. Irgendwann ist man eben erwachsen. Punkt. Das gehört eben zu den Dingen die unvermeidlich sind. Aber was heißt es schon, erwachsen zu sein? Im Grunde nur, dass man für sein eigenes Handeln verantwortlich ist. Das war ich aber auch schon als Jugendliche und als Kind. Egal was ich tat, ich musste immer mit Konsequenzen rechnen (egal ob positive oder negative). Der einzige Unterschied den es gab war, dass ich sozusagen zu Hause Kost und Logi frei hatte - zumindest mehr oder weniger.

Erwachsensein hat einige Vorteile, die ich früher so nie gesehen habe. Ja klar, ich muss arbeiten gehen und meine Freizeit ist auf wenige Stunden am Tag begrenzt. Solange ich meiner Arbeit aber irgendwie ein wenig Freude und Spaß abgewinnen kann, ist das vollkommen okay. Ich kann selbstbestimmt leben. Entscheiden wo und wie ich lebe, was es essbares auf den Tisch gibt, wohin ich reisen will, und und und.

Mein jüngeres Ich geht mir dennoch gerade nicht aus dem Kopf. Wenn ich ein Brief an mein Vergangenheits-Ich schicken könnte, würde ich ihr gerne einige Worte mitteilen, die hilfreich sein könnten. Verstehe mich nicht falsch, ich bereue nichts in meiner Vergangenheit. Jede Entscheidung die ich getroffen habe, hat mich zu dem Punkt gebracht, an dem ich heute stehe! Dennoch würde ich meinem jüngeren Ich gerne ein wenig mental unter die Arme greifen.

Ich würde wohl so etwas schreiben wie:


Hallo Nancy,

du kennst mich nicht. Ich kenne dich dafür umso besser. 
Vertraue mir. Wir haben das selbe Leben. Du wirst einmal ein wunderbarer Mensch werden. Du hast das Herz am recht Fleck. Du bist sehr mutig, tapfer und viel stärker als du es jetzt noch selbst glauben magst. Es wird eine schwere Zeit kommen, durch die du hindurch musst. Das lässt sich leider nicht vermeiden. Daher möchte ich dir heute ein paar Worte mit auf dem Weg geben.

Vertraue auf dich selbst. Du kannst viel mehr, als man dir zutraut! Und gebe nicht auf. Niemals. Du bist zielstrebig, wenn du dir erst einmal was in den Kopf gesetzt hast. Nutzte diese Energie und du wirst es schaffen. Nehme Hilfe an, wenn sie dir angeboten wird. Das ist keine Form von Schwäche, sondern zeigt deine Stärke. Du bist dadurch niemandem etwas schuldig. Versuche nicht neidisch zu sein. Tiefe Abgründe gibt es überall und jeder begegnet diese einmal. Nur weil du sie nicht sehen kannst, heißt es nicht, dass andere nicht auch vor einem stehen. 
Übrigens, kaufe nicht so viele Mangas, du wirst dein Geld noch für wichtigere Dinge brauchen. Apropos, verteile deine Ersparnisse in mehrere gut überlegte Verstecke auf und sobald du ein Bankkonto eröffnen kannst, tue es! 

Wenn du irgendwann mit dem Jogging beginnen willst, dann mach es einfach. Gebe nicht nach dem ersten mal auf, nur weil eine bestimmte Person meint sich in deine Angelegenheiten einmischen zu müssen. Wenn du trotzig bist und aufgibst, gewinnt lediglich die andere Person.
Teile deine Wünsche mit. Wenn du sie nicht erzählst, kann dein Gegenüber sie auch nicht wissen. Das zählt insbesondere für den Wunsch, Volleyball im Verein spielen zu wollen. Bleib dran am malen und zeichnen. Zeit dafür zu erübrigen wird zwar mit den Jahren schwieriger werden, aber wenn du einmal aufhörst, fängst du nicht wieder an. Und das ist wahnsinnig schade, denn es erdet dich und du hast Talent.

Du wirst dein Leben eines Tages wieder mit jedem Atemzug genießen können. Große und kleine Abenteuer warten auf dich. Du wirst Spaß haben und sehr viel Lachen. Sei dankbar für jeden einzelnen Moment den du mit deinen Freunden verbringen kannst. Sie werden zeitweise für dich eine große Stütze sein und dir Halt geben. Sei offen gegenüber andere und schätze dich selbst. Immer.

Alles Liebe,
Nancy - Dein zukünftiges Ich


Wie steht es mit dir? Was würdest du deiner jüngeren Version schreiben?

Kommentare:

  1. Sehr schön, Nossy. Dein Brief zeigt, dass es Dinge gibt, die dir gut in Erinnerung blieben. Im Rahmen von Stöckchen oä habe ich mal in einem Satz an mein junges Ich ein paar Worte gerichtet. Ich weiß nicht, ob ich mir schreiben würde, obwohl mir dein Brief so gut gefällt.

    Herzliche Grüße, Bee

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    1. Danke, liebe Bee.
      Eigentlich hatte ich auch gar keinen Brief geplant. Aber wie das manchmal so beim bloggen ist (zumindest bei mir) machen sich die Finger beim tippen selbstständig, wenn sie im Strom der Gedanken schwimmen. :)

      Viele Grüße, nossy

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  2. Liebe Nancy,
    Eigentlich weiß ich gar nicht, wie ich dieses Kommentar verfassen soll... Für so einen privaten, mutigen Post Verdienst du nämlich ein ausgefeiltes Kommentar und kein nebenbei getippt

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  3. (Das Handy spinnt, also hier Teil zwei)

    ...getipptes. Genau wie du wollte ich nie erwachsen werden. Ich hatte seit meinem dreizehnten Geburtstag Angst davor, meine Jugend nicht genug auszuleben und hasste seitdem das älter werden.

    Ich war auch furchtbar dickköpfig und bin es vielleicht immer noch. Trotzdem musste ich wie du schwierige Zeiten durchmachen. Bereuen tue ich aber auch nichts, denn ich liebe Erfahrungen. Egal, ob gut oder schlecht.

    Erwachsen bin ich wohl aber trotzdem nur auf dem Papier... Mein Kopf ist noch kindlich, leichtsinnig eingestellt. Okay, ich muss zwar selbst Geld verdienen und meinen Haushalt schmeißen, aber ich liebe Unabhängigikeit, sodass das okay ist.

    Mir würde ich nur den Tipp geben, mich durch meine Schüchternheit nicht so sehr auszugrenzen. Ich war immer die Außenseiterin, weil ich nicht auf Menschen zugegangen bin... Ich wollte ja niemanden zur Last fallen.

    Liebe Grüße

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    1. Danke Tabea, für deine lieben Worte.
      Mit der Schüchternheit ist es so ein Ding, dass kann ich sehr gut nachvollziehen. Behalte dein kleinen kindlichen Teil, der in deinem Kopf eingestellt ist, ruhig immer im Herzen. Denn das innere Kind zu befriedigen ist das, was im Erwachsenen Leben unter anderem so unglaublich viel Freude bereiten kann. ;)

      Liebe Grüße,
      nossy

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  4. Seit ganz vielen Jahren begleiten wir einander,... natürlich ... mal mehr oder mal weniger, aber meine Gedanken sind immer bei dir :) Ich finde den Menschen der aus den jüngeren Nancylein geworden ist, einfach toll!

    Wegen der Manga, hab ich mir auch mal überlegt *lach* Aber eigentlich haben sie mich glücklich gemacht und somit bereue ich es nicht - auch wenn es verdammt viel Geld war ;)

    LG
    Bammü

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    1. Nicht doch, ich werd' noch ganz rot ^///^

      Bereuen tue ich es auch nicht, dass ich mir damals so viele Mangas gekauft hatte. Einige habe ich ja immer noch und lese sogar manchmal darin. Letztens habe ich erst alle Bände von Card Captor Sakura noch mal gelesen, weil ich mich gar nicht mehr an die Geschichte erinnern konnte. Und man... war das süüüß :D

      Ganz lieben Gruß, nossy

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