21.06.2017

[Heimatliebe] Im Whitney Houston Haus der Beelitzer Heilstätten

Heute zeige ich dir mal einen eher ungewöhnlichen Beitrag in meiner Reihe Heimatliebe. Denn ich möchte keine schöne Region vorstellen, sondern vielmehr einen Einblick in einen ungewöhnlichen Ort geben, dem so genannten Whitney Houston Haus der Beelitzer Heilstätten.

Piano

Als ich damals den Baumkronenpfad bei den Beelitzer Heilstätten bestieg (den Beitrag findest du hier), wusste ich schon, dass ich eines der Gebäude unbedingt einmal von Innen erkunden möchte. Die Gebäude verfallen immer mehr und verbreiten eine ganz eigene, bedrückende Stimmung. Meine Abenteuerlust war geweckt. 

Im Mai war es endlich soweit. Ich betrat eines der größten Gebäude auf dem Komplex.

Das Gebäude welches ich erkundete, den Lungenheilpavillon B I für Männer, gehört zum riesigen Krankenhauskomplex der Beelitzer Heilstätten, das 1902 seine Eröffnung feierte. Als damals modernstes Tuberkulose-Krankenhaus zählte es zu den größten Einrichtungen seiner Art. Im Umland von Berlin sind hier, versteckt im Wald von Beelitz, 60 Gebäude entstanden, Senatorien, Lungenheilstätten (natürlich getrennt für Männer und Frauen), sowie einige Verwaltungs- und Betriebsgebäude. Durch ein eigenes Heizkraftwerk und einen Wasserturm, konnte der Komplex beinahe eigenständig existieren.
Bei einer Zombie Apokalypse wäre die Anlage wohl so etwas wie ein halbwegs überlebensfähiger Hafen gewesen.

No way - No passage Be careful In to the Light Povao

Nicht nur die Zeit, sondern vor allem zwei Weltkriege haben ihre Spuren an den Gebäuden hinterlassen. So mussten die Heilstätten beispielsweise als Lazarett während des ersten Weltkrieges herhalten und nach dem zweiten Weltkrieg übernahm die Rote Armee die Anlage. Bis 1994 war die Anlage das größte Militärkrankenhaus der sowjetischen/russischen Armee im Ausland. Selbst Adolf Hitler und Erich Honecker waren in den Beelitzer Heilstätten schon Gäste. Seit dem Jahr 2000 etwa, verfällt die Anlage immer mehr. Einige Gebäude wurden mittlerweile saniert und renoviert. Als Krankenhaus dient die Anlage allerdings schon lange nicht mehr. Mörder und Obdachlose trieben sich hier herum. Auch geheime Partys und Veranstaltungen fanden hier illegal statt, ehe man sich der Anlage um etwa 2011 wieder besann.

Darkness against light Arrow tracks Stairway

Während ich also mit meiner Kamera durch das Whitney Houston Haus wanderte, dachte ich nicht im entferntesten an die Historie des Gebäudes, in dem ich mich bewegte. Ich verspüre diese kribbelnde Aufregung in mir, wie sie mich beschleicht wenn ich sonst einen genialen Wanderweg entdecke. Mein Finger zuckte ständig am Auslöser. Ich kniete mich sogar in den Dreck, um Fotos aus einem anderen Blickwinkel zu bekommen. Ständig blicke ich mich um, um nicht von herabstürzenden Ziegeln oder Fensterteilen getroffen zu werden. Auch wenn die Entdeckerlust groß ist, sich in einem so verfallenen Gebäude zu bewegen kann höchst gefährlich sein! In einem Gebäude ist sogar schon einst ein Mann zu Tode gekommen, weil der Boden nachgab und der arme Kerl daraufhin in einen Schacht stürzte. Daher wähle ich jeden Schritt mit bedacht und flitze trotzdem durch die ellenlange Flure um möglichst jeden Raum inspizieren zu können. Ich habe vier Stunden Zeit. Die Uhr tickt.

Friend? Dark Maul The Girl with the red hat Hello. My Name is...

Die Fenster und Außentüren im Erdgeschoss sind verbarrikadiert, damit sich niemand unbefugt Zutritt verschaffen kann. Scherben von Fensterglas liegen herum. Farbe und Tapeten bröckeln von den Wänden. Einige Treppen führen nach oben, andere nach unten. Wie in einem Labyrinth versuche ich systematisch vorzugehen. Stellenweise sind die Wände durchbrochen, um mal eben einen Durchgang zu erhalten. Die Luft ist stickig, mit jede Menge Staub angereichert und riecht morsch und abgestanden, obwohl durch die kaputten oberen Fenster genug Luft zirkulieren müsste. Ein Blick um die Ecke und ich sehe jede Menge Kunst. Moderne Höhlenmalerei, Street Art, Murals. Eine vergitterte Eisentür. Ein Rotkelchen, welches sich im ersten Stock verirrt hat, zwitschert vor sich hin. Versteckte, düstere Räume befinden sich hinter einer anderen Ecke. Und überall sehe ich diese roten, blutigen Handabdrücke.

Gone with the sin To Egress Blood Hands

Der Geruch wird irgendwann wirklich unerträglich. Noch bevor die vier Stunden abgelaufen sind, verlasse ich das Gebäude. Ich habe alles gesehen. Ich habe genug gesehen.

Die Fototour hatte ich bequem von zu Hause aus online gebucht. Sie war ehrlich gesagt unverschämt teuer. Vor allem wenn man sich bewusst wird, dass man jeden Schritt in dem Gebäude auf eigene Gefahr macht. Klar, das macht den Reiz eines Lost Places aus, die Gefahr, der Nervenkitzel, die Abenteuerlust. Aber ist ein Lost Place für den man "Eintritt" zahlt, überhaupt noch ein Lost Place? Irgendwie nicht, finde ich.

Piano II

Übrigens im Whitney Houston Haus war die gute Whitney selbst nie. Das Gebäude wird nur so genannt, weil es hier einmal den Schriftzug "Whitney Houston" gab. Dieser ist allerdings längst der Zeit zum Opfer gefallen.

Einen Lost Place würde ich sehr gerne irgendwann wieder einmal ablichten. Dafür zahlen muss ich aber nicht dafür.

Kommentare:

  1. Solche Lost places würde ich auch gern mal fotografieren, weil ich die Atmosphäre in den Bildern so sehr liebe. Aber leider gibt es hier in der Nähe solche Gebäude wohl nicht und Geld für eine Fototour hätte ich eh nicht...

    Deine Bilder gefallen mir aber sehr und ich finde

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  2. ...finde es spitze, dass du dich auch mit der Geschichte des Gebäudes beschäftigt hast!

    Liebe Grüße

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    1. Dankeschön :)
      Ich finde es auch total spannend, zu wissen was hinter den Mauern früher alles geschehen ist. In anderen alten Gebäuden, wie Burgen und Schlößer, stelle ich mir auch gerne vor wie das Leben dort abgelaufen sein muss.

      Viele Grüße, nossy

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  3. Tolle Fotos! Du hast wirklich ein super Auge für Motive, Winkel und Details, die ich so nicht sehe :)

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    1. Dankeschön, dass ist lieb von dir!
      :-*
      nossy

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  4. Das klingt sehr interessant. Schön, dass du was zu der Geschichte des Hauses miterzähltest, dadurch wird es spannender die Bilder zu betrachten :)

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    1. Ja ich finde, dann betrachtet man die Bilder gleich nochmal mit einem anderen Auge, wenn man zumindest ansatzweise ahnt, wofür das Gebäude einmal genutzt wurde und was es so durchgemacht hat.

      Viele Grüße, nossy

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  5. ich wollte ja auch gern die beelitzer heilstätten besuchen, diese waren aber während unserer berlinreise leider grade nicht zugänglich. stattdessen haben wir uns in hohenlychen umgeschaut und dort war es auch richtig toll. ich finde solche lost place walks schon sehr beeindruckend, auch wenn dafür zu zahlen natürlich einiges an seinem ursprünglichen sinn nimmt. ganz ungefährlich ist es allemal nicht.

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    1. Schön, dass ihr eine Alternative für euch gefunden habt zu den Beelitzer Heilstätten. :)
      Wobei ich denke, dass es um Berlin herum bestimmt viele verlassene und verfallene Orte gibt, die es zu entdecken lohnt. Die meisten werden nur nicht als Touren angeboten. Das heißt, diese zu finden und zu gucken ob man überhaupt hinein kommt, ist da die eigentliche Herausforderung.

      Lieben Gruß, nossy

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  6. Ein Lost Place, das würde ich so gerne mal fotografieren. Allerdings bin ich nicht so gut zu Fuß, daher wohl eher ein Dauertraum :) bei einem solchen Szenario müsste ich auch an TWD denken. Ein sehr schöner Beiitrag

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    1. Das ist schade, aber man kann sogar Tagestouren buchen. Dann könntest du dir so viel Zeit nehmen wie du willst. ;) Nur mit Sitzgelegenheiten fürs ausruhen zwischendurch, würde es dann tatsächlich etwas mau aussehen. Die gibt es in den Gebäuden eher weniger.

      Liebe Grüße, nossy

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